“In Istanbul wäre ich fast erschossen worden. Es war im September 1980 kurz vor dem Militärputsch und überall waren Soldaten an den Straßenecken postiert.
An einem Abend war ich alleine in unserem Reisebus vor der Hagia Sophia, mit dem wir auf dem Weg nach Indien waren. Plötzlich kam ein junger Soldat mit seinem Gewehr in den Bus und wollte mich küssen. Ich schaffte es, ihn freundlich hinauszubefördern und ging erleichtert wieder in den Schlaftrakt zurück.
Er kam ein zweites Mal und ich schaffte es erneut, ihn nach draußen zu geleiten. Dann blieb ich vorne im Bus und setzte mich auf die leere Beifahrerbank.
Ich hielt die Tür von innen fest zu, denn sie konnte nur von außen abgeschlossen werden. Der Soldat legte sein Maschinengewehr an und zielte durch die große Frontscheibe des Busses auf mich, während er mir unentwegt in die Augen sah und auf der Vorderseite des Busses langsam hin und her ging.
Die Zeit stand still. Als meine mitreisenden Freunde aus dem Pudding Shop zurückkamen, rannte er davon.”
(Käthe Kruse)