ZWINGER Galerie
 
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IMPRINT
 
 
DOMINIK EGGERMANN
 
Tödlicher Impressionismus
 
Opening: Friday, 4th September, 2026 from 6 to 9 pm
Exhibition: 5th September to 31th November, 2026
Tuesday to Saturday, 12 noon to 6 pm
 
Zwinger Galerie
 

Der Anblick der Bilder von Dominik Eggermann bringt meist gleich die Frage nach ihren Entstehungsbedingungen auf. Die Sammelstellen einer kaum kontrollierten malerischen Verve vermitteln sich als dünne, ungespannte Arbeitsflächen, die, an der Wand bloßgestellt, zwar nicht flattern, aber den alten Befreitheitsanspruch lässiger, 'wilder' Keilrahmenbilder mühelos unterbieten. An ihren wenigen unbearbeiteten Stellen ist die leidgeprüfte Oberfläche oft wächsern wie die einer Tetrapak-Milchtüte, was dem Bildgrund mehr Stabilität gibt. Ansonsten aber tragen Eggermann-Bilder die Spuren von Auseinandersetzungen auf Leben und Tod. Die Faktur der wie unter einer hypermechanischen Spechtschnabelattacke eher geschehenen als gestalteten Stift- und Pinselspuren wirkt alarmistisch aufgedreht. Eggermann-Bildobjekte kommen aus einer Gefahrenzone zu uns, auf ihrer sichtbaren Seite sind sie bis in extreme Verdunkelung mit kurzen Strichen, Kratzern, Flecken und Schmissen eingedeckt. In Gesprächen mit dem Künstler habe ich erfahren, dass sie den sportlichen Regeln einer oft über Wochen und Monate verstreut erfolgenden, in Rausch oder Anfall kanalisierten, schattenboxerhaften Tätigkeit an der Wand gehorchen, und dass auch sie Malerei sind. Malerei, die aber eigentümlicherweise nicht nur Aggro-Chaos gebiert, sondern aus der fernen Tiefe hunderter und tausender Attacca-Schichten einen figurativen Umriss aufscheinen lässt, der zugleich vorgebeugter Abdruck, Schatten und Beule ist. Frühere, vielleicht 'malerischere' Werke Eggermanns, so erfahre ich, hatten mehr von einer romantisch dahinschwindenden, von törichten Selbstaufopferungen durchzogenen Körpermalerei. Hier  bei einer durch horizontale Massierung der Werkspuren verabredete Horizontlinietritt uns ein lebensgroßes Gespenst gegenüber, das mal ätherisch ist und erahnt werden will, mal wirkt wie der sich fett und miasmatisch auf verbrauchten Straßeneckenmatratzen abzeichnende Abdruck eines namenlosen Einzelkörpers. Wie der vorbeiflackernde Schatten eines Protagonisten. Sie werden schon verstehen. Wenn 'Malerei' das Schlüsselwort für diese Bildobjekte ist, kõnnen von Aktion gezeichnete Bilder wie Eugène Leroys 'Grand Nu Assis' (1978-80) vor dem geistigen Auge erscheinen, vor allem aber Pierre Bonnards von Persönlichkeit getränktes Selbstporträt 'Le boxeur' (1931). Wer nach Gattungsbezeichnungen sucht, sollte nicht an Pointillismus oder Action Painting denken, sondern eher an einen ultraernsten, vor der Gefahr des Spiegels fliehenden Impressionismus, an eine prozessuale, körperindexikalische All-over-Malerei - kinåsthetische Selbstporträtkunst, deren Abdruck 1:1 ist, aber ohne die Karikatur der Ähnlichkeit auskommt. Dabei ist Dominik Eggermann trotz seiner Kompromisslosigkeit weder 'brut' noch 'brute', weder 'Outsider' noch männischer Wüstling. Schauen Sie auf die helleren Schichten, da erkennen sie zuerst, welch nuancierte, illusionistisch tiefe, rätselhaft schwebende Möglichkeitswelt sich in dieser Ecke des großen malerischen Boxrings verwirklichen lässt.

Clemens Krümmel

 
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