ZWINGER Galerie
 
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Käthe Kruse: 366 Tage
 

The exhibition will be open to individual visitors on Friday, 27 March, between 12 am and 8 pm.

This also applies to the usual opening hours.

 
Exhibition: 28th March to 23th May
Opening hours: Tuesday to Saturday, 12 am to 6 pm
 

Performance at Friday, 15th May at 7 pm

Käthe Kruse, voice
Myriam El Haik, piano
Edda Kruse Rosset, drums
 
At the same time, the Galerie Nord, Kunstverein Tiergarten shows Käthe Kruse's group of works: Ich sehe in a solo exhibition.
For known reasons the exhibition will probably remain closed until 19th April 2020.
Further information on the accompanying program at: www.kunstverein-tiergarten.de
 
Susi Pop
 

In der Reihe Grenzgängerinnen präsentiert die Galerie Nord Künstlerinnen, die sich über Grenzen und Genre hinwegsetzen und diese erweitern. Die dritte Ausstellung in dieser Reihe ist Käthe Kruse gewidmet, eine der herausragenden Künstlerinnen, die seit den 80er Jahren, damals noch als Teil des legendären Westberliner Avantgarde-Trios Die Tödliche Doris, mit der Verschränkung von Musik, Texten, Performances, Video und Malerei neue Formate entwickelt, die sich kaum in herkömmliche Kategorien einordnen lassen.

Auch als Solokünstlerin verbindet Käthe Kruse unterschiedliche Medien gekonnt zu einem eigenen künstlerischen Ansatz. In ihrem jüngsten Projekt untersucht Käthe Kruse die Wechselwirkung von Sprache, Politik und medialer Berichterstattung. Seit 2015 sammelt Kruse täglich Überschriften aus jeweils einer deutschsprachigen Tageszeitung (z. B. Taz, Tagesspiegel, Süddeutsche Zeitung). Es entsteht eine Art Archiv zur Zeitgeschichte in knappster Form. Die chronologisch auf DIN A4 gebrachten Headlines (jeder Tag ein Blatt) bilden einen Speicher der konkreten oder vagen Erinnerung.

In einem zweiten Schritt filtert die Künstlerin sämtliche Substantive heraus, die sie alphabetisch-chronologisch geordnet auf Leinwände überträgt. Es entstehen 80 schwarz/weiße Textbilder mit Begriffen, die sich horizontal wie ein Band 60 Meter lang über die Wände der Galerie Nord ziehen. Es lässt sich als ein Panorama sprachlicher Gewalt lesen: Von Abstiegsangst bis Zuwanderungsrekord. Das Bild mit dem Anfangsbuchstaben X enthält nur ein Wort: Xenophobie.

Die Erkenntnis, dass es vorwiegend Gewalt und Kriege sind, die allzeit das Geschehen auf der Erde bestimmt haben und bestimmen ist nicht neu, zeigt sich in Kruses Werkzyklen aber erschreckend aktuell.

Die beiden miteinander verschränkten Werkgruppen verteilen sich über zwei Ausstellungsorte. Unter dem Titel Ich sehe präsentiert die Galerie Nord die erwähnten 80 Leinwandbilder als Fries, der sich durch sämtliche Räume zieht. In der Zwinger Galerie wird das Archiv der gesammelten Überschriften unter dem Titel 366 Tage aufgeschlagen. Entsprechend ihrem überdisziplinären Ansatz werden die beiden Ausstellungen durch eine Reihe von performativen Veranstaltungen ergänzt. Gemeinsam mit Myriam El Haik am Piano und Edda Kruse Rosset am Schlagzeug vertonte Kruse die 80 Worttableaus zu einem Sprechkonzert, das in den Galerien zur Aufführung kommen wird. Darüber hinaus wird Käthe Kruse eine mehrtägige Leseperformance in der Galerie Nord durchführen.

Ein wichtiger Teil des Projekts besteht in einer aufwendigen Publikation, die begleitend zu den Ausstellungen bei DISTANZ erscheinen wird. Die Edition besteht aus einer Vinyl-Doppel-LP, aufgenommen im Studio 65 bei Alexander Hacke, 80 Bildtafeln, einer Zeitung mit sämtlichen Überschriften sowie einem Begleitheft mit Installationsansichten der Ausstellungen. Die nummerierte und signierte Vorzugsausgabe enthält ein Tuch aus Modal, mit allen 3927 Wörtern bedruckt.

Die Katalogpräsentation mit Verleger Matthias Kliefoth (DISTANZ) wird begleitet von einem Künstlerinnengespräch zwischen Prof. Dr. Hanne Loreck (Hochschule für Bildende Kunst Hamburg) und Käthe Kruse.

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